Eine Babydecke aus Musselin und Freundschaft auf den 2. Blick

Babydecke aus Musselin einseitig hellgrün, anderseitig weiß mit grauen Dreiecken mit passendem Holzgreifling

Musselin und ich – diese Freundschaft entstand nicht auf den ersten Blick. Über 6 Jahre, seit Geburt meiner großen Kinder brauchte ich um dieses wundervolle Material kennen und lieben zu lernen und trotzdem würde ich immer noch viele Dinge nicht aus Musselin nähen, die man daraus machen könnte.  Auch den Hype um dieses Material kann ich, trotz seiner wundervollen Eigenschaften, immer noch nicht ganz verstehen. Aber erst einmal von vorn…

Wie alles begann

Warum ich so richtig auf Musselin-Distanz war, über 6 Jahre viel Inspiration konsumieren und mich belesen musste, lange nach schönen Farben und Mustern gesucht habe, von denen ich nie gedacht hätte, dass es sie gibt, das kann ich im Nachhinein auch nicht so genau erklären. Mit Sicherheit kam dazu, dass zur Geburt meiner ersten Kinder meine Mutter die alten Stoffwindeln aus meiner Babyzeit rausholte und uns in den Schrank packte. Die waren zwar noch weiß, aber völlig verzogen, ausgefranst an allen Rändern, zipfelig an den Ecken – praktisch ja, aber alles andere als schön. Der große Franzose und ich haben sie unseren Kinder immer nur als Riesen-Spucktuch umgebunden und uns auf die Schultern gelegt um nicht permanent Sabberspuren mit uns Rumtragen zu müssen.

Gleichzeit bekamen wir zur Geburt der beiden eine Babydecke aus Musselin geschenkt, die es immer noch gibt und mittlerweile mein drittes Kind für den Mittagschlaf in der Kita im Gebrauch hat. Sie ist weiß mit gelben und orangen Sterne, hat abgerundete Ecken und er liebt sie und ich kann es verstehen. Nicht wegen der Form oder des Mustern, sondern weil sie dick ist. Einfach nur dick, aber das macht diese Decke ein bisschen anders. Die meisten Decken aus Musselin, die ich bislang in den Händen hatte, waren entweder ein dünnes Tuch, auch Swaddle genannt, oder maximal eine dünne Decke aus zwei miteinander vernähten Lagen Musselin. Als Sommerdecke super, aber keine, worauf ich mein Kind auch mal zum Krabbeln legen würde. Über Teppich vielleicht, aber auf Parkett oder Dielen? Dann kann ich sie auch weglassen, denn weicher wird es dadurch auch nicht.

Ein neues Projekt und viele Fragen

Eine Babydecke als mein neues Projekt von kleine Franzosen sollte aber genau so sein, dick und kuschelig und groß, so dass man sie auch als Krabbeldecke einsetzen könnte. Gleichzeitig atmungsaktiv, falls sie doch mal über eine Babynase rutschen sollte, weshalb Kunstfaser und Synthetik von vornherein nicht in Frage kamen, so aber den Ausschlag für Musselin mit seiner 100 %igen Baumwolleigenschaft gaben.

Bei unserer Decke hatte ich mich lange gefragt, ob eine weitere Lage Vlies mit eingenäht sein könnte, habe sie von beiden Stoffseiten auseinander gezogen, um die Menge der Lagen zu spüren und letztendlich den Rand aufgetrennt und reingeguckt. Die Lösung war so einfach wie überraschend und ziemlich logisch, wenn man die Musselin-Eigenschaften kennt. Die Decke bestand aus 4 Lagen Stoff, miteinander am Rand vernäht, ein Schrägband drumrum und fertig. Die Dicke ergab sich durch die Anzahl der Lagen und die typische Musselin-Charakteristik.

Kleine Stoffkunde

Musselin besteht aus zwei Stofflagen, die durch eine Leinwandbindung punktuell miteinander verbunden sind. Dadurch entsteht die feine Struktur des Stoffes und gleichzeitig bilden sich kleine Luftpolster zwischen den Stofflagen, die Musselin so fluffig-weich und ein bisschen plustrig machen.

Weil die Decke nach jahrelangem Gebrauch schon einige Waschgänge hinter sich hatte, hatte sich der plustrige Effekt weiter verstärkt, da sich die einzelnen Stofflagen leicht miteinander verbinden konnten. An diesem Punkt war klar, dass eine Kleine-Franzosen-Babydecke auch 4-lagig sein sollte, denn auch wenn kein Winter ist, sollte Sie als Krabbel-, Schmuse- oder auch Picknickdecke für unterwegs einsetzbar sein. Schon lange hatte ich kein so scheinbar einfaches Nähprojekt mehr in Planung.

Einfach geht anders

Die Realität holte mich schnell wieder ein, nachdem 40 meter hellgrüner, weißer und gemusterter Musselin in der Werkstatt ankamen. Dieser Stoff macht ja was er will, schiebt sich in alle Richtungen, sieht gerade aus beim Zuschnitt und hat dann lauter Ecken auf einer Schnittkante, waren wahrscheinlich meine ersten Gedanken. Der Prototyp für das frischgeschlüpfte Baby meiner Cousine wurde dann auch nicht so groß wie geplant, aber wenigstens wurde er quadratisch. Bei der Randeinfassung ging es mit den Fragen weiter, denn ursprünglich sollte die Babydecke einen Einfassstreifen in Kontrastfarbe und schöne Briefecken an den Ecken bekommen. Die Stoffdicke machte meiner schönen Vorstellung leider schnell einen Strich durch die Rechnung. Aber Dank eines Tipps meiner Freundin Katja von grims-kind, die rutschige Stoffe hasst und sich bei Musselinhalstüchern ebenfalls wie mit einer Windel geschmückt empfindet, hat die Decke jetzt dennoch einen schönen Rand bekommen und ich bin glücklich mit mit dem Ergebnis auch ohne Einfassstreifen.

Ende gut und alle glücklich

Auch das Baby meiner Cousine ist zufrieden und hat die Decke seit ein paar Wochen im Gebrauch. Vielleicht ist es aber noch glücklicher über den aus dem selben Stoff genähten Beißring-Greifling, denn wer weiß denn schon was in den kleinen Menschenköpfen vor sich geht, wenn für uns Große einfach nur wichtig ist, dass es ihnen gut geht, sie unsere Geborgenheit und Liebe spüren und uns irgendwann mit ihrem ersten zahnlosen Lächeln beschenken.

Die kleinen Franzosen sind allerhöchstens milchzahnlos, aber sie haben sich dennoch alle für eine neue Babydecke aus ihrer eigenen Kollektion angemeldet. Neue Farben und Muster sind daher schon bestellt – Ihr könnt Euch freuen.

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